Zwischenbilanz zum iPad Pro

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Jetzt habe ich es also getan, ich habe nach langem Zögern das MacBook platt gemacht und neu aufgesetzt. Warum das Ganze? Ich habe mir vorgenommen, dass iPad Pro soweit wie möglich als mein Hauptgerät zu nutzen. Aus diesem Grund habe ich den Laptop neu aufgesetzt und nur noch die nötigsten Dinge auf das Gerät gemacht. Doch um von vorne anzufangen hier noch einmal kurz mein ursprünglicher Beitrag zum Thema "Produktiv Arbeiten mit dem iPad Pro". Ich habe mir im November 2015 ein iPad Pro 12.9 zugelegt. Damals habe ich mir noch keine konkreten Gedanken gemacht, wie ich das iPad nutzen werde. Aber relativ schnell habe ich für mich entschlossen, dass es mit diesem Gerät möglich sein müsste, einen relativ großen Teil meiner Arbeiten erledigen zu können. Doch dafür möchte ich erst einmal einen groben Einblick geben, was ich denn alles mit meinem Laptop mache und welche Arbeiten auf das iPad übertragen werden müssen.

Arbeitsbereiche

Welche Arbeiten erledige ich also mit meinem Laptop, welche ich nun auf mein iPad übertragen möchte? Hier einmal eine grobe Aufzählung meiner Arbeiten:

  • Arbeiten im MS Office, vorwiegend Excel und Word sowie Arbeiten mit PDF-Dokumemnten
  • Programmieren von Websites, sowie testen von Webseiten
  • Bildbearbeitung, vorwiegend Optimierungen für das Web, Bildgrößen ändern, selten einmal ein Bild selber erstellen
  • Kommunikation via E-Mail
  • Recherchen im Internet
  • Verwaltung meiner Endgeräte (iPhone, iPad, GPS-Uhr)
  • Tourplanungen für Wanderungen
  • Bearbeiten meines Blogs, hierzu habe ich bereits einen Artikel über "Mobil bloggen mit Bludit" geschrieben
  • Konsumieren von Inhalten aus dem Netz, Musik, Podcasts, sowie Videostreaming
  • Sonstige Arbeiten wie Kalenderverwaltung, To-Do-Listen, Dateiverwaltung

Um die entsprechenden Arbeiten zu erledigen, habe ich mir diverse Apps angeschaut und mich nun für eine gewisse Anzahl an Apps entschieden, welche ich über das letzte Jahr 2016 regelmäßig genutzt habe.

App-Auswahl

Um einen besseren Überblick über die Apps zu erhalten, gliedere ich meine Apps in Gruppen und ordne sie den entsprechenden Arbeitsbereichen zu.

  1. Office Arbeiten
    • Word, Excel
    • iA Writer, Ulysses
    • GoodNotes
    • Scanbot, PDF Expert, Adobe Acrobat
  2. Bildbearbeitung
    • Pixelmator, Graphic, Procreate, Concepts, Sketches Pro
    • ViewExif
    • Fotos
  3. Programmieren
    • Coda, Transmit
    • Textastic
    • Sidefari, WebTools
  4. Kommunikation
    • E-Mail
    • Twitter, TweetBot
    • Nachrichten
  5. Internet-Recherche
    • Safari
    • Medium
  6. Tourplanungen und Wetter
    • Karten, Forever Map, Citymaps2Go
    • Galileo Pro
    • Wunderground, Wunderstation
    • Warnwetter, Alerts Pro
  7. Konsumieren von Inhalten
    • Das Erste, Mediathek, Tagesschau, ZDF Heute, ZDF Mediathek
    • iCatcher, TuneIn Radio,Musik
    • Netflix, RedBull TV
    • Page, iBooks, Kindle
  8. Sonstige Arbeiten
    • Kalender
    • 2Do
    • Filebrowser, Documents
    • Workflow
    • OwnCloud, iCloud Drive

Ich möchte jetzt nicht alle Apps einzeln beschreiben, deswegen fasse ich die wichtigsten Arbeiten zusammen und rede über meine positiven und negativen Eindrücke bei der Arbeit mit den Apps.

Arbeitsabläufe

Bevor ich auf die einzelnen Arbeitsbereiche eingehe, möchte ich darauf hinweisen, dass viele Arbeiten einfach damit stehen und fallen, dass man sich neue Arbeitsabläufe einfallen lassen muss. Das heißt konkret, dass das Arbeiten mit dem iPad Pro, und damit mit dem Betriebssystem iOS, ein Umdenken bei der Arbeit bzw. den Arbeitsabläufen, weg von der herkömmlichen Arbeitsabläufen mit einem Rechner (egal ob Windows, oder macOS) voraussetzt.

Das erste Problem auf welches ich dabei gestoßen bin, ist das Dateisystem. Die Beschränkung des Betriebsystems, dass ich keine Dateien ablegen kann, wie ich es von einem Rechner gewohnt bin, ist eine der größten Herausforderungen am produktiven Arbeiten mit dem iPad Pro. Es ist zwar möglich Dateien über die Cloud zu speichern, aber dies ist oftmals nicht möglich, sei es aus Gründen einer nicht vorhandenen Internetverbindung, oder sei es aus Gründen des Datenschutzes, dass z.B. der Arbeitgeber nicht möchte, das Daten in der Cloud liegen. Nennt mich zudem paranoid, aber ich selber bin auch nicht der größte Freund davon, dass meine Daten da überall in diesem Internet rumliegen...

Das nächste Problem ist, dass keine externen Geräte an das iPad Pro angeschlossen werden können, zumindest keine externen Festplatten oder sonstige USB Geräte. Meiner Meinung nach wäre dies technisch keine große Problematik, allerdings entspricht dies nicht der momentanen Philosophie von Apple. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass vielleicht mit einer neuen iOS Version endlich einmal diese Schnittstelle geöffnet wird. Genügend Adapter gibt es ja. Was ich nicht hoffe ist, dass es im Zuge einer Neuvorstellung von iPads, welche ja gemutmaßt wird, ein "Exklusivfeature" nur für die neue Generation beinhaltet ist.

Beschreibung der einzelnen Arbeiten

Office Arbeiten

Arbeiten mit Word und Excel, den eigenen Apps von Microsoft, ist inzwischen relativ komfortabel. Es ist möglich Basisformatierungen zu verwenden. Ein Großteil von Features welche an einem Rechner formatiert wurden, werden auch in der iPad App angezeigt.

Das Arbeiten mit Excel funktioniert generell auch recht gut, allerdings habe ich festgestellt, dass ich an einem Rechner doch um einiges schneller bin, als wenn ich am iPad arbeite. Auch das eingeben von Formel, sowie das Formatieren von Zellen ist am Rechner wesentlich komfortabler.

Mein Fazit ist, dass die Word-App prinzipiell sehr gut funktioniert, lediglich wenn man spezielle Formatierungen oder Vorlagen braucht, dann müssen diese an einem Rechner erledigt werden. Die Excel-App ist soweit zur Eingabe von Daten recht gut zu verwenden. Ein deutlich besseres Arbeiten ist allerdings mit einem Rechner möglich.

Die Verwaltung und das Bearbeiten von PDF Dokumenten ist am iPad ein Traum. Z.B. mit GoodNotes ist es einfach möglich PDF-Dokumente zusammen zu führen, Anmerkungen im Dokument zu machen. Man kann sehr gut mit diesem Programm arbeiten und auch der Export klappt gut. Das einzige was mich stört ist die enorme Dateigröße die das Programm erzeugt. Hier habe ich leider noch keinen Weg gefunden wie ich die Dateien kleiner bekomme.

Meine Anmerkungen mache ich dabei gerne und oftmals mit dem Apple Pencil, mit welchem ich extrem gut zurecht komme und der meiner Meinung nach alle anderen Stifte für das iPad in den Schatten stellt.

Bildbearbeitung

Für die Bildbearbeitung verwende ich im Normalfall das Programm Pixelmator. Hiermit sind kleine Bildkorrekturen möglich, oder man kann auch einen Text in das Bild setzen, Farbanpassungen vornehmen, kleine Retuschen etc. . Für die Verkleinerung der Bilder für meinen Blog verwende ich einen Workflow in der Workflow App, welcher mir die Bilder auf die von mir benötigte Breite herunterskaliert und gleichzeitig die Metadaten aus dem Bild entfernt. Was mir hier noch fehlt, ist eine Anwendung wie ImageOptim auf dem Rechner, mit welchem ich die Bilder wirklich klein bekomme um sie optimal im Web verwenden zu können.

Kleine Grafiken, wie beispielsweise mein Logo, bastle ich mir mit Graphic zusammen. Alles in allem funktioniert das nicht schlecht, allerdings ist man hier am Rechner doch um einiges schneller.

Der klare Vorteil, meiner Meinung nach, ist das freihändige Zeichnen unterstützt vom Apple Pencil. Je nach Programm können Daten dann exportiert werden und am Rechner könnte man diese im Anschluss nachbearbeiten.

Programmieren

Ich mache ja so nebenbei ein bisschen was mit Websites, und von daher muss ich natürlich auch ein bisschen Code schreiben und die entsprechenden Websites testen. Zum rudimentären testen dienen mir die Web Tools, die in etwa mit dem Firebug vergleichbar sind. Zudem ist es damit möglich unterschiedliche Bildschirmgrößen zu simulieren. Das Programmieren selber funktioniert mit Textastic oder mit Coda. Hier ist auch gleich ein FTP Client mit an Board mit welchem ich die Daten auf den Server übertragen kann.

Das Ganze funktioniert allerdings am Rechner allerdings um einiges besser und schneller. Auch nach diversen Versuchen bin ich mit dem gesamten Aufbau nicht wirklich zufrieden, da mir hier einfach die Möglichkeit fehlt, dass ich mehrere Fenster offen habe und die Daten nur richtig testen kann, wenn sie auf einem Server liegen, denn es ist nicht möglich eine Serverumgebung für das iPad wie beispielsweise MAMP oder XAMP aufzusetzen. Hier scheitert das produktive Arbeiten doch erheblich, so dass ich an sich nur kleine Arbeiten bzw. Änderungen am iPad erledige und meine Hauptarbeit nach wie vor am Rechner erledige.

Kommunikation und Internet-Recherche

Zur Kommunikation mit E-Mails brauche ich denke ich nicht viel sagen. Was ich per Mail machen muss funktioniert wunderbar mit dem Apple eigenen Mailprogramm und erfüllt alle meine Bedürfnisse. Entsprechende Dateien die ich verschicken muss lassen sich gut einfügen und kann ich über den Filebrowser bereitstellen, so dass ich an sich alle Dateien einfügen kann die ich zum Versand brauche.

Dadurch das sich das Web ständig weiterentwickelt, sind die Seiten welche ich oftmals besuche inzwischen alle für mobile Endgeräte angepasst, so dass ich keine großen Probleme habe, wenn ich etwas mit dem iPad suche. Auch das Arbeiten mit mehreren Tabs ist inzwischen problemlos von der Leistung her möglich.

Tourplanung und Wetter

Für meine Tourplanung lade ich mir im Normalfall GPS-Dateien mit den Wegen aus dem Netz herunter. Diese kann ich über Galileo Pro einlesen und mir die entsprechenden Wege anschauen. Zusätzlich kann ich mir die Touren als PDF speichern und gegebenenfalls ausdrucken, wenn ich dies möchte. Was leider nicht geht ist die Übertragung der GPS-Daten auf meine GPS-Uhr. Dies funktioniert deswegen nicht, da die Uhr dies nicht über die App unterstützt, sondern die Datei über den Explorer bzw. Finder in einen Ordner gelegt wird und dann von der Uhr eingelesen wird. Hier wäre es sehr hilfreich, wenn wie bereits angemerkt, das Betriebssystem zum einen das Anstecken externer Geräte unterstützen würde, zum anderen bräuchte es eine Möglichkeit auf Dateisystem der Uhr zuzugreifen. Hier muss ich leider immer wieder auf den Rechner zurückgreifen um dies zu erledigen. Gerade wenn man eine Route im Urlaub laden möchte ist dies nervig.

Zum Thema Wetter, denke ich braucht man nicht viel sagen. Wunderground und Wunderstation stellen Daten aus privaten Wetterstationen zur Verfügung, so dass man hier eine relativ genaue Vorstellung erhält, wie das Wetter am entsprechenden Ort ist. Meine anderen Wetterapps geben mir einen groben Überblick über das Wetter im allgemeinen. Wie genau oder gut eine Wetter App ist, kann jeder für sich selber entscheiden.

Konsumieren von Inhalten

Für meine Nachrichten nehme ich gerne die Apps der Öffentlich-Rechtlichen, um einen groben Überblick über die Nachrichten zu bekommen. Außerdem zahle ich diese ja eh mit meinen Rundfunkgebühren, somit haben die Beiträge zumindest einen kleinen Nutzen.

Ansonsten nutze ich den Kurznachrichtendienst Twitter über entsprechende Apps. Zusätzliche lese ich ab und an ganz gerne über Medium.

Wenn ich einmal einen Film oder eine Serie schauen will, kann ich dies relativ bequem über die Netflix App machen. Seit einiger Zeit ist es auch möglich manche Inhalte offline zur Verfügung zu stellen.

Radio und Podcast höre ich über entsprechende Apps. Musik höre ich über die Musik App. Was mich aktuell etwas nervt, ist, dass es nicht funktioniert geladene Musik ohne das Programm iTunes in meine Musikmediathek zu übertragen. Ebenso verhält es sich mit Musik, welche ich von Kauf-CDs einrippe. Ja, ich mache so etwas noch...nein ich kaufe mir nicht alles neu, nur das ich die iTunes Variante umgehe.

Sonstige Arbeiten

Was mache ich sonst noch so? Ich manage meinen Kalender, da ich keine so extremen Anforderungen an den Kalender habe reicht mir dazu die Standard App. Inzwischen läuft das komplett über meine mobilen Geräte.

Ebenso verhält es sich mit meinen To-Do Listen, welche ich sowohl privat als auch geschäftlich verwende. Ich habe mich hier nicht für einen externen Dienst entschieden, sondern nutze dazu die App 2Do. Die Synchronisation zwischen meinen Endgeräten erfolgt über einen eigenen Server.

Mein Dateimanagement, wenn man es denn so nennen kann, findet überwiegend über die App Filebrowser statt. Jüngst habe ich noch die App Documents getestet, aber mein Favorit ist Filebrowser. Mit der App ist es möglich Dateien bereitzustellen um diese z.B. in Emails bereit zu stellen. Zudem ist es möglich sich mit diversen Servern zu verbinden und so Dateien zwischen den unterschiedlichen Endgeräten bereit zu stellen.

Automatisierung in gewissen Rahmen bewerkstellige ich mit der App Workflow. Hierzu sollte man sich entsprechend einlesen, denn die App hat ein ziemliches Potential. Am besten man Sieht sich ein bisschen im Netz um, um entsprechende Arbeitsabläufe zu finden. Ansonsten einfach mit der App ein bisschen rumspielen.

Wenn ich doch einmal auf eine Cloud-Lösung setze, habe ich die 5GB Inklusivvolumen von Apple, via der iCloud zur Verfügung. Zusätzlich habe ich mir auf einem eigenen Server noch eine kleine OwnCloud aufgebaut, mit der es mir möglich ist, hauptsächlich meine Kontakte, meinen Kalender und meine 2Do App synchronisiere.

Mein Fazit

Wie ich bereits schon bei einigen Anwendungen im Text bemerkt habe, sind viele Sachen nicht komplett ohne einen Rechner möglich. Das ist leider ein bisschen nervig. Speziell finde ich dies bei Formatierungen und Vorlagen störend, da ich wegen Kleinigkeiten den Rechner anmachen muss. Ein Arbeiten in der Webentwicklung ist nicht wirklich möglich, lediglich kleine Anpassungsarbeiten bei bereits fertigen Seiten sind gut machbar. Alles was darüber hinausgeht, ist für mich zu Umständlich. Zudem fehlt mir einfach eine Entwicklungsumgebung.

Der andere Punkt der mich extrem nervt, und der auch meines Erachtens die Logik von Apple untergräbt, dass man das iPad Pro als Rechnerersatz nutzen kann, ist, dass es nicht möglich ist, dass Gerät ohne einen Rechner zu verwalten. Man kann keine vernünftigen Backups machen, ohne in die Cloud zu gehen, und ich bekomme weder Musik, noch Daten auf das Gerät bzw. vom Gerät herunter ohne eine Cloud zu nutzen. Das Thema Musik würde nicht einmal mit der Cloud funktionieren.

Zusätzlich ist es einfach nicht möglich, externe Geräte an das iPad anzuschließen, was einen doch sehr einschränkt. Sei es einfach ein Datenstick oder eine externe Platte um Daten von A nach B zu übertragen oder eine Datei zu bearbeiten, sei es um ein Laufwerk anzuschließen um beispielsweise eine CD einzulesen und diese in die Musik-App zu übertragen.

Insgesamt denke ich, dass ich inzwischen einen großen Teil meiner Arbeiten mit dem iPad erledigen kann. Bei einigen Arbeiten bin ich am Rechner nach wie vor schneller. Leider werde ich zum aktuellen Zeitpunkt meinen Rechner nicht ersetzten können, da ich einfach noch bei zu vielen Arbeiten auf einen Rechner angewiesen bin. Aus diesem Grund werde ich auch nach wie vor Zweigleisig fahren, ich werde aber auf jeden Fall an der Sache dran bleiben und werde versuchen, die Arbeiten am iPad weiter zu forcieren.

Ich bin gespannt ob die Arbeit am iPad (Pro) auch weiter durch ein neues iOS erleichtert werden. Vielleicht bringt die neue Version einige Neuerungen die ich im obigen Text angesprochen habe, vielleicht schafft es Apple auch endlich eine "PRO"-Sektion im App-Store zu etablieren, damit Entwickler einen Anreiz haben spezieller für die Pro-Geräte zu entwickeln. Es wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr.